Von Scheinselbstständigkeit spricht man, wenn ein vertraglich als selbstständig betitelter Auftraggeber wie ein abhängig Beschäftigter arbeitet und arbeitsrechtlich auch als solcher versicherungspflichtig angemeldet werden müsste. Eine Scheinselbstständigkeit liegt demnach vor, wenn eine Person zwar nach außen (z.B. mit einem Werkvertrag) als selbstständiger Unternehmer auftritt, ihre Aufgaben aber wie ein abhängig beschäftigter Arbeitnehmer erfüllt.

Dabei entscheidet nicht der formale Vertrag über Selbständig- oder Scheinselbständigkeit, sondern die gelebte Praxis im Arbeitsablauf. Anhaltspunkte für Scheinselbstständigkeit können sein:

  • Unmittelbare Weisungsbefugnis des Auftraggebers
  • Feste Arbeitszeiten (z. B. Schichtdienst etc.)
  • Reporting-Pflichten für den Auftragnehmer gegenüber dem Auftraggeber
  • Die feste Integration in Prozesse und sonstige Infrastruktur des Auftraggebers
  • Feste Bezüge
  • Urlaubsanspruch und / oder Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall

Insbesondere betroffen sind davon Freiberufler oder freie Mitarbeiter. Freie Mitarbeiter können im Gegensatz zum Freiberufler dabei auch ein Vertragsverhältnis mit dem Auftraggeber haben, das aber kein Arbeitsverhältnis darstellt. Sie haben außerdem in der Regel ein Gewerbe angemeldet, wohingegen Freiberufler kein Gewerbe anmelden und keine Gewerbesteuer zahlen müssen.

Konsequenzen bei Scheinselbstständigkeit

Wird Scheinarbeit aufgedeckt, drohen sowohl dem Auftraggeber als auch dem Auftragnehmer rechtliche und finanzielle Konsequenzen. Unter anderem müssen vom Auftraggeber rückwirkend alle Haftungs- und Zahlungsverpflichtungen, wie Sozialversicherungsbeiträge und Lohnsteuersteuernachzahlungen, nachbezahlt werden. Wird eine vorsätzliche Scheinselbstständigkeit nachgewiesen, sind Bußgelder, Gefängnisstrafen und Rückzahlungsforderungen für bis zu 30 Jahre möglich.

Auch der Auftragnehmer hat mit Konsequenzen der Scheinselbstständigkeit zu rechnen. Im ersten Schritt ist seine Selbstständigkeit beendet und er erhält nachträglich zum Beginn des Beschäftigungsverhältnisses den Status des Arbeitnehmers. Außerdem erhält er im Falle von Scheinselbstständigkeit Nettogehaltszahlungen in der Höhe des bisherigen Honorars.

Wie kann man sich schützen?

Die Scheinselbstständigkeit ist für viele Selbstständige, Kleinunternehmer und Auftraggeber ein leidiges Thema. Da es in Deutschland keine harten Kriterien zur Beurteilung gibt, ist die Feststellung teilweise schwierig. Es müssen zahlreiche der Kriterien überprüft und gegeneinander abgewogen werden.

Um sich vor einer Scheinselbstständigkeit zu schützen, sollte im Zweifelsfall ein Berater hinzugezogen werden, der den Dienstvertrag überprüft. Auch die folgenden Maßnahmen können Scheinselbstständigkeit vorbeugen:

  • Informieren Sie sich über Scheinselbstständigkeit
  • Prüfen Sie den Dienstvertrag sorgfältig
  • Trennen Sie Hard- und Software bzw. Räumlichkeiten
  • Kommunizieren Sie klar zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
  • Beantragen Sie ein Statusfeststellungsverfahren nur nach vorheriger Prüfung der Sach- und Rechtslage

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