Die Suche nach qualifizierten Bewerbern für offene Stellen ist für Unternehmen weltweit herausfordernd. Um sich nicht im Wettbewerb um die besten Fachkräfte aufzureiben, bieten sich Upskilling, Reskilling und die Aufnahme von Quereinsteiger*innen als strategische Antworten an.

Diese drei Varianten helfen effektiv dabei, personell auf sich verändernde Qualifikationsanforderungen und neue erforderliche Skills zu reagieren.

Das eigene Team als Quelle für neue Expertise und frisches Knowhow

Die digitale Transformation, neue Formen der Zusammenarbeit, die Corona-Pandemie und die Globalisierung sind nur einige der Herausforderungen, die bei Unternehmen flexible personelle Lösungen notwendig machen. Darüber hinaus wird frisches Knowhow gefragt, vor allem bei Digitalisierungsthemen.

Eine mögliche Lösung für Firmen ist es, auf dem Arbeitsmarkt nach qualifizierten Fachkräften zu suchen. Doch vielfach bietet der firmeninterne Talentpool bereits viele Möglichkeiten, um das benötigte Knowhow oder die erforderliche Expertise zu erhalten. Eigene Teammitglieder können umgeschult oder mit Hilfe von Weiterbildungsmaßnahmen für neu geschaffene Stellen oder neue Stellenanforderungen vorbereitet werden. Um ein Bild aus dem Fußball zu bemühen: Sie müssen keine Top-Stürmerin auf dem Spielermarkt kaufen, sondern können eine offensive Mittelfeldkraft als neues Sturmtalent aufbauen.

Wichtige Voraussetzungen dafür sind:

  • Sie kennen Ihre Mitarbeitenden und deren Fähigkeiten genau.
  • Sie kennen Ihren Bedarf und wissen, mit welchen Mitarbeitenden sich dieser decken ließe.
  • Es besteht bei Ihren Beschäftigten die Bereitschaft zur Umschulung und Weiterbildung.
  • Es ergibt sich durch Umschulung oder Weiterbildung nicht an anderer Stelle ein personeller Engpass.

Sind die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, spricht alles für Upskilling und Reskilling im Unternehmen.

Die Vorteile von Upskilling und Reskilling liegen auf der Hand

Wer seine eigenen Talente umschult oder weiterbildet, kennt die Stärken und Schwächen dieser Mitarbeitenden bereits. Außerdem kennen sich diese schon in den Unternehmensstrukturen aus, kennen die Unternehmensziele oder die Ziele einer Abteilung. Somit entfällt das Onboarding.

Eine Umschulung oder Weiterbildung lässt sich meist berufsbegleitend durchführen. Das Training-on-the-job oder moderne Methoden wie Blended Learning sorgen dafür, dass das Erlernte direkt im Betrieb umgesetzt werden kann. Es bedarf somit keiner langen Vorlaufzeiten. Ihre Mitarbeitenden können direkt mit dem neuen Knowhow loslegen und sich an die neue Position gewöhnen.

Mit einer Umschulung oder Weiterbildung bieten Sie Ihren Mitarbeitenden neue Perspektiven im Unternehmen. Das kann zu verstärkter Motivation beitragen und auch die Bindung an das Unternehmen stärken. Upskilling und Reskilling sind somit auch auf dieser Ebene eine wichtige Investition in die künftige Wettbewerbsfähigkeit der Firma.

Personelle Verstärkung durch Quereinsteiger*innen wurde lange unterschätzt

Quereinsteiger*innen wurden und werden von Unternehmen gerne unterschätzt. Sie gelten häufig als „B-Lösung“ für personelle Engpässe. Deshalb wurde der Quereinstieg meist nur für Jobs angeboten, die eine geringe Einlernphase erfordern und in der Regel auch von ungelernten Kräften ausgeübt werden können. Der akute Fachkräftemangel, nicht nur im MINT-Sektor, hat jedoch zu einem Umdenken geführt.

Das wird z.B. deutlich, wenn sogar kommunale oder staatliche Arbeitgeber für den Schuldienst Quereinsteiger massiv umwerben. In der freien Wirtschaft werden die Zeichen immer deutlicher wahrgenommen und es wächst die Bereitschaft, Quereinsteiger*innen einzustellen.

Wer sich die Lebensläufe von Führungskräften weltweit anschaut, wird feststellen, dass sich deren berufliche Laufbahn ursprünglich nicht an ihrer akademischen Ausbildung ablesen ließ. Studierte Psycholog*innen arbeiten heute in HR-Abteilungen, Geisteswissenschaftler*innen lenken Industriebetriebe oder ehemalige Lehramtsstudierende mit erstem Staatsexamen haben sich für die freie Wirtschaft entschieden. Der Quereinstieg ist in vielen Bereichen deshalb nichts wirklich Neues. Es gab ihn schon immer, vor einigen Jahren allerdings meist nur in der frühen beruflichen Laufbahn.

Ein weiteres Beispiel: Der MBA, ein beliebter Studienabschluss für alle, die Führungspositionen in der Wirtschaft anstreben, kann von nahezu jeder Person mit akademischem Abschluss absolviert werden, ohne dass diese Erfahrung in Statistik, BWL oder VWL nachweisen muss.

Die Frage, ob Unternehmen sich für Quereinsteiger*innen entscheiden oder nicht, ist letztlich eine Frage des Mindsets und gleichzeitig eine sehr pragmatische und ökonomische Entscheidung.

Welche Vorteile Quereinsteiger*innen bieten können

Quereinsteiger*innen verfügen verständlicherweise nicht dieselbe fachliche Expertise wie ausgewiesene Expert*innen, die für eine freie Stelle vorgesehen sind. Dafür bietet der Quereinstieg für Unternehmen die Möglichkeit, Mitarbeiter*innen zu gewinnen, die über den Tellerrand schauen können. Diese neuen Teammitglieder waren häufig nicht in derselben Branche tätig, bringen dafür aber eine hohe Neugier und Bereitschaft mit, sich in das neue Thema einzuarbeiten. Gleichzeitig können sie von einer frischen Perspektive auf Abläufe und Prozesse im Unternehmen blicken und so für Innovation und neue Produktivität sorgen.

Wenn sich jemand für einen Quereinstieg entscheidet und sich aktiv um eine neue Stelle bemüht, kann das zudem ein Zeichen für eine sehr starke intrinsische Motivation sein. Quereinsteiger*innen zeichnen sich deshalb meist durch eine sehr hohe Bereitschaft aus, sich ins Unternehmen einzubringen. Gleichzeitig wird das Team heterogener und kann neue Impulse erhalten.

Was ebenfalls nicht unterschätzt werden darf: Quereinsteiger*innen bringen zusätzliches Knowhow und mehr Erfahrung aus anderen Bereichen und Branchen mit, was eine unheimliche Bereicherung für das eigene Unternehmen ist.

Die Wahl der „richtigen“ Quereinsteiger*innen

Wer nach passenden Quereinsteiger*innen für sein Team sucht, sollte vor allem auf das mögliche Potenzial achten, das die ausgewählten Kandidat*innen mitbringen. Damit erhöhen Unternehmen die Wahrscheinlichkeit, dass der oder die Quereinsteiger*in sich auch in Zukunft perfekt einbringen kann. Zu diesem Zweck sollten Sie im Vorfeld genaue Kriterien festlegen, die Bewerber*innen mit Quereinstieg mitbringen sollten, unabhängig von fachlicher Kompetenz.

Entsprechend müssen dann Stellenausschreibungen formuliert werden. Im nächsten Schritt sollten sich Unternehmen eine geeignete Strategie für das Onboarding von Quereinsteiger*innen überlegen. So können diese ihre neue Position so schnell wie möglich ausfüllen.

Ob Quereinstieg oder Upskilling – Unternehmen haben es selbst in der Hand, die Wettbewerbsfähigkeit mit dem passenden Personal zu stärken

Die gute Nachricht ist: Sie müssen nicht auf dem Arbeitsmarkt um jede freie Fachkraft kämpfen, sondern können u.a. das eigene Personal prüfen, um mit Weiterbildungen oder Umschulungen auf sich verändernde Anforderungen zu reagieren. Neuen Input bieten Quereinsteiger*innen. Hier ist vor allem das richtige Gespür gefragt, um flexible, innovative, motivierte und passende Mitarbeiter*innen zu entdecken und langfristig zu binden.