Rüdiger Heger hat es geschafft. Bereits seit 37 Jahren ist der Ingenieur selbstständig, bis 2008 als Freelancer. Heute ist er erfolgreicher Geschäftsführer einer Bauträgergesellschaft und freiberuflicher technischer Berater eines Ingenieurbüros für Automatisierungstechnik.

Wählte er den Weg in die Selbstständigkeit bewusst? Weit gefehlt. Als junger Mann „rutschte er nach seinem Studium unfreiwillig in die Selbstständigkeit“. Das war im Jahr 1983. Damals war der Arbeitsmarkt einfach gesättigt.

Kampf gegen Windmühlen?

Als Soloselbstständiger ist man immer der Gefahr ausgesetzt, in den Verdacht der Scheinselbstständigkeit zu geraten. Herr Heger musste dies in den letzten Jahren immer wieder erleben. Viele Freelancer berichten von großer Unsicherheit bezüglich der rechtlichen Lage und sind sich der Gefahren oft nicht bewusst.

Eine Scheinselbständigkeit liegt vor, wenn der Selbständige in das Unternehmen integriert wird und wie ein fester Mitarbeiter behandelt wird. Insbesondere gegenüber dem Selbständigen ausgesprochene arbeitsrechtliche Weisungen können zu einer Scheinselbständigkeit führen. Die Gesetze, auf die sich die Scheinselbständigkeit beruft, sind längst überholt und bieten keine Rechtsicherheit. Die Grauzone, in der sich Freelancer aufgrund dessen oft bewegen müssen, muss abgeschafft werden.

Was jetzt zu tun ist

Corona ist für viele Freelancer eine Katastrophe. Es gibt zwar staatliche Unterstützungen, doch wo und wann diese ihr Ziel erreichen, ist unklar. Ist das der berüchtigte letzte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt? Rüdiger Heger ist sehr überrascht, dass es so lange gedauert hat, bis das Thema Scheinselbstständigkeit endlich in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Liegt das an der Pandemie? Oder gar an der wirtschaftlichen Lage, die zunehmend finanzielle und strategische Herausforderungen mit sich bringt?  „Das Sprachrohr, der Leuchtturm, hat gefehlt, um sich zusammenzuschließen.“, resümiert Rüdiger Heger.

Hegers Vorschläge, um die Lage zu verbessern:

  • Vereine und Verbände stärken: Auch wenn der Schritt in die Selbständigkeit gut überlegt und optimal geplant ist, wirft der Unternehmeralltag manchmal Fragen auf oder bringt regulatorische Herausforderungen mit sich, die seitens der Politik entstehen können. Daher ist es wichtig, eine eigene Lobby zu haben. Diese finden Selbstständige bei hochspezialisierten Vereinen und Verbänden.
  • Der Blick des Kunden muss geschärft werden: Scheinselbstständigkeit ist kein Kavaliersdelikt! Viele Kunden sind sich dem Ausmaß und den (rechtlichen) Konsequenzen kaum bewusst. Hier muss Aufklärungsarbeit geleistet werden.
  • Professionalisierung: Eher eine Schlussfolgerung als eine Idee. Bei Unsicherheiten ist es immer ratsam, sich an verlässliche Personalvermittlungen zu wenden, die rechtlich fit sind und Hilfestellung bieten.

Weitere hilfreiche Praxistipps finden Sie in unserem Freelancer Praxis-Guide:

Rüdiger Heger würde heutigen Berufseinsteigern folgendes raten: „Gehen Sie zu einer guten, professionellen Arbeitnehmerüberlassungsfirma, in so viele Betriebe wie möglich, machen Sie fundierte berufliche Erfahrung in der Praxis. Und dann, wenn Sie nach drei bis vier Jahren merken, dass Sie bereit sind, dann gehen Sie in die Selbstständigkeit. Ein kaufmännisches Hintergrundwissen und eine gute Vorbereitung sollten nicht vernachlässigt werden - ohne kaufmännisches Hintergrundwissen ist es fatal in die Selbstständigkeit zu gehen.“

Wenn Freelancer diese Punkte beachten, befinden sie sich auf einem guten Weg die Vorzüge der Selbstständigkeit voll umfänglich auszuschöpfen. Als Full-Service-Provider und Freelancer-Experte unterstützt SThree Kunden und Kandidaten bei Fragen und Unklarheiten rund um das Thema Selbstständigkeit.