Spätestens mit Beginn der Corona-Pandemie 2020 ist die Arbeitswelt in vielen Branchen in einem Dauerkrisenmodus. Doch auch der Fachkräftemangel, der Zusammenbruch vieler Lieferketten, die Energiewende oder der Digitalisierungsdruck verlangen besonders Führungskräften viel ab. Wir zeigen Ihnen, worauf es beim Leadership in Krisenzeiten ankommt.

Das Wort Krise allein ruft bei uns viele Assoziationen hervor. Sie reichen von Chaos, Unsicherheit oder Verlust bis hin zu Rezession, Untergang und Niederlage. Das Gute an Krisen ist jedoch, dass sie auch ein Ende haben und dass auf einen Abschwung auch wieder ein Aufschwung folgt, ebenso wie ein Licht am Ende jedes Tunnels auftaucht. Da wir aber im Vorfeld bei einer Krise nie wissen, wie lange diese Phase dauern wird, sind Führungspersönlichkeiten wichtig, die in Zeiten der Unsicherheit Stabilität und Zuversicht vermitteln. 

Führungskräfte bleiben auch in Krisenzeiten Vorbilder

Für Führungskräfte in Krisensituationen wird gerne das Bild des Kapitäns auf dem sinkenden Schiff bemüht. Ganz so dramatisch muss es in der Realität nicht sein. Doch es steckt ein wichtiger Kern in der Metapher: Als Führungskraft haben Sie eine Vorbildfunktion. Dieser sollten sich in einer Krise nochmals bewusst machen. Wenn Sie also die Ruhe bewahren und bedächtig handeln, werden das auch Ihre Mitarbeitenden können.

Kommunikation ist essenziell

Nichts verunsichert stärker als ein mangelhafter Informationsfluss. Von Ihnen als Führungskraft wird Krisenkommunikation gefordert. Das bedeutet, dass Sie jederzeit präzise und verlässliche Informationen über den Zustand des Unternehmens oder bestimmte Entwicklungen an Ihre Mitarbeiterschaft kommunizieren können. Es hilft dabei nicht, wichtige Schritte verbergen zu wollen. Das Team erwartet auch in Krisen Aufrichtigkeit und erhält so einen klaren Kompass. Um die Kommunikation zu sichern, ist es empfehlenswert, im Vorfeld feste Kommunikationsstrukturen und -kanäle für Krisensituationen festzulegen. 

Aktion statt Reaktion ist wichtig

Leadership bedeutet, nicht auf die nächste Krise oder Eskalationsstufe einer Krise zu warten, sondern vorausschauend zu handeln. Ist eine Verschärfung der Situation absehbar, sollten Sie bereits im Vorfeld Vorkehrungen treffen, um die Folgen abzumildern. Sollten sich bestimmte Entwicklungen nicht vermeiden lassen, liegt es auch hier wieder an Führungskräften, die Belegschaft darauf einzustimmen. 

Empathie als Schlüssel für die notwendige Motivation

Empathie ist ein elementarer Softskill für Führungskräfte. In Krisenzeiten kommt dem Einfühlungsvermögen noch eine größere Bedeutung zu. Indem Sie sich in die Situation Ihrer Beschäftigten hineinversetzen, können Sie deren Ängste und Sorgen besser nachvollziehen und entsprechend kommunizieren sowie handeln. Das setzt in der Krise auch in Ihren Teams neue Motivation und Stärke frei, die in schwierigen Zeiten in besonders hohem Maße gebraucht wird. 

Alle Beteiligten mitnehmen

Ein Unternehmen besteht nicht nur aus seinen Mitarbeitenden und der Führungsetage. Mit jedem Unternehmen sind vielfältige Stakeholder verknüpft. Die Aufgabe von Führungskräften ist es, auch in Krisen alle Stakeholder und deren Bedürfnisse zu berücksichtigen, sie in Entscheidungen einzubinden und klar sowie transparent zu kommunizieren. Gerade in Krisen kann es z.B. wichtig sein, Lieferketten durch eine direkte Kommunikation mit Lieferanten aufrecht zu erhalten. Ebenso kann es aber auch erforderlich sein, Käufer oder Geschäftspartner auf sicher verändernde Bedingungen aufmerksam zu machen. 

Externe Expertise nicht per se ausschließen

In Führungspositionen neigen Entscheiderinnen und Entscheider manchmal zu Alleingängen. Doch in Krisenzeiten sollte verstärkt eine realistische Einschätzung der Lage erfolgen. Entsprechend kann es erforderlich sein, den Rat von Expertinnen und Experten hinzuzuziehen. Das können z.B. Dienstleister für die Personalberatung ebenso sein wie für das Coaching von Beschäftigten, die mit Hilfe von Weiterbildung auf sich verändernde Märkte oder einen Strukturwandel vorbereitet werden. 

Strategische Entscheidungen sollten mit Bedacht getroffen werden

Im Krisenmodus zu arbeiten, versetzt jeden Menschen unter Stress. Hoher Druck kann jedoch zu vorschnellen Entscheidungen führen, die eine Krise im schlimmsten Fall noch verschärfen können. Deshalb sollten Führungskräfte wichtige Entscheidungen nicht ad hoc treffen. Zu diesem Zweck sollten z.B. strukturierte Personalbedarfspläne entwickelt werden. Ebenso hilfreich ist es, verschiedene Szenarien durchzuspielen, um daraus mögliche Strategien abzuleiten. Gleichzeitig gilt es auch hier, die größtmögliche Flexibilität zu garantieren. Zum einen sollten Führungskräfte flexibel bleiben, um auf schnelle Veränderungen in der Krisenphase adäquat reagieren zu können, aber auch um für die Rückkehr in den „Normalmodus“ gerüstet zu sein. 

Perspektiven schaffen und kleine „Siege“ feiern

COVID-19 erfordert von allen Beteiligten einen langen Atem. Es ist der vielfach zitierte Marathon. Doch ebenso wie beim Langstreckenlauf über die Marathondistanz geht es auch in Krisen darum, kleine Etappen zu schaffen und so die lange Strecke in viele kleine aufzuteilen. Im Unterschied zum Laufsport sollten Sie als Führungskraft kleine Etappen mit Ihren Teams feiern, um so neue Motivation für die nächsten Aufgaben zu erzeugen. Das kann z.B. ein Teamevent sein oder eine besondere Aufmerksamkeit für Beschäftigte. Wichtig ist aber vor allem, dass Führungskräfte Perspektiven für die Zeit nach der Krise aufzeigen. Der Ausblick auf eine positivere Zukunft gibt neue Hoffnung und Kraft für alle Beteiligten.

Führungskräfte sind in Krisenzeiten der unermüdliche arbeitende Motor

Es ist unbestritten, dass Leader im Krisenmodus Vorbilder, Motivatoren, Kapitäninnen und Kapitäne oder Vorreiter sein müssen. Wichtig ist jedoch auch, dass Führungskräfte bei all der Verantwortung nicht vergessen, für sich selbst zu sorgen. Selbstfürsorge bedeutet, Resilienz aufzubauen und manchmal ganz simpel, für ausreichend Schlaf, Bewegung und gesunde Ernährung zu sorgen, elementare Dinge für die Extraportion Energie in Krisenzeiten.