Kooperativer vs. autoritärer Führungsstil: Merkmale und Unterschiede

Führe ich eher autoritär oder kooperativ? Warum es wichtig ist, den Führungsstil zu charakterisieren.

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5 Kollegen sitzen zusammen und kooperieren.
Wer in einer Führungsposition tätig ist, muss neben der nötigen Fachkenntnis auch die Fähigkeit der Führung von Mitarbeitenden mitbringen. Doch gerade hier stehen Führungskräfte immer wieder vor großen Herausforderungen.

Sie müssen Mitarbeiter motivieren und anspornen können, ohne sie zu überfordern. Gleichzeitig sind Leader den Zielen des Unternehmens verpflichtet und entsprechend unter Druck, Ergebnisse zu liefern. Manche greifen aus Ungeduld zu einem autoritären Stil und delegieren vor allem von „oben“.

Andere setzen auf mehr Kooperation und bauen auf die Selbstmotivation der Mitarbeitenden durch die Übernahme von mehr Verantwortung und Mitsprache. Es ergibt sich das Dilemma zwischen autoritärem und kooperativem Führungsstil.

Auf der Suche nach der richtigen Form der Führung von Mitarbeitenden

Immer wieder haben sich die Psychologie und die Soziologie mit der Führung von Teams, Mitarbeitern oder Gruppen beschäftigt und dabei verschiedene Führungsstile charakterisiert. Bis heute prägen vor allem die vom Sozialpsychologie Kurt Lewin beschriebenen Führungsstile die Debatte. Nach seiner Emigration in die USA 1933 entwickelte er sich in den 1940er-Jahren zu einem der wichtigsten Sozialpsychologen des Landes. 

In diesen Jahren führte Lewin gemeinsam mit Kollegen ein Experiment durch. Er wollte herausfinden, wie sich das Verhalten und die Arbeitsweise in einer Gruppe verändert, wenn diese jeweils autoritär, demokratisch oder „laissez-faire“ geführt wird. Dieses Experiment gilt als die Grundlage für die moderne Forschung an Erziehungs- und Führungsstilen. 

Von Levin werden bis heute der „autoritäre“, „kooperative“ und „laissez-fairer“ Führungsstil abgeleitet.

Was von einer Führungskraft beim kooperativen Führungsstil verlangt wird

Ein demokratischer Führungsstil repräsentiert die vielzitierten „flachen Hierarchien“. Mitarbeitende und Führungskräfte müssen sich fachlich und persönlich auf einem ähnlichen Niveau befinden. Es darf zumindest keine deutlichen Unterschiede geben. Alle, sowohl Mitarbeitende als auch die Führungskraft, befinden sich in einem kontinuierlichen Lern- und Reifeprozess.

Die Führungskraft muss dafür aufgeschlossen sein und großes Vertrauen in ihre Mitarbeitenden haben. Dabei verzichtet sie auf persönliche Privilegien und ist dazu bereit, Verantwortung abzugeben.

Sie muss auch dazu fähig sein, Aufgaben zu delegieren. Gleichzeitig darf sie aber nicht die Kontrolle über Projekte oder Ziele komplett an die Mitarbeitenden abgeben. Ein respektvoller Umgang miteinander und gegenseitigen Respekt zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden ist wichtig für einen kooperativen Führungsstil.

Was Mitarbeitende mitbringen müssen, damit ein kooperativer Führungsstil möglich ist

Ein kooperativer Führungsstil setzt nicht nur bei Führungskräften bestimmte Eigenschaften und Haltungen voraus, sondern auch bei Beschäftigten. Mitarbeitende müssen z.B. überhaupt den Willen mitbringen, Verantwortung zu übernehmen. Darüber hinaus müssen Sie die notwendigen Fähigkeiten haben, um die verantwortungsvoll übertragenen Aufgaben zu lösen.

Da kooperative Führungskräfte Kontrolle abggeben, müssen Mitarbeitende ausreichend Selbstkontrolle ausüben bzw. bereit dafür sein, damit ein demokratischer Führungsstil zum Ziel führt.

Was zeichnet einen autoritären Führungsstil aus?

Der autoritäre Führungsstil setzt auf eine starke Hierarchie. Deshalb wird er auch „hierarchischer Führungsstil“ genannt. Hierbei gilt das Top-Down-Prinzip, da im Fokus steht, dass die Mitarbeitenden das machen, was die Führungskraft vorgibt.

Ihre Funktion ist vergleichbar mit der Herrschaft in einer Autokratie. Hierin liegt ein großes Manko dieses Führungsstils:

Fehlt der Führungskraft die nötige Autorität bzw. zweifeln die Mitarbeitenden daran, wird ein hierarchischer Führungsstil nicht zum Ziel führen. 

Grundsätzlich werden beim autoritären Führungsstil Mitarbeitende nicht gefragt. Nur eine Person oder die Führungsetage trifft Entschlüsse und entscheidet, was getan wird. Die Führungskraft überwacht außerdem, ob die Arbeit so durchgeführt wird, wie sie es vorgegeben hat. Bei dieser Art der Führung kommt es nicht dazu, dass Führungskräfte Verantwortung abgeben, was häufig als Nachteil eines autoritären Führungsstils gesehen wird.

Autoritäre Führung wird meist als „Lösung“ eingesetzt, wenn Mitarbeitende aufgrund mangelnder Ausbildung oder Schulung mit kooperativen Ansätzen vermeintlich überfordert wären. Allerdings kann ein autoritärer Stil das Ergebnis der Persönlichkeit einer Führungskraft sein. So führen häufig gerade die Menschen autoritär, deren Menschenbild negativ ist oder die schlicht nichts Anderes können.

Ein Vorteil des autoritären Führungsstils besteht darin, schnelle Entscheidungen zu treffen und diese sofort umzusetzen. Demgegenüber steht die Gefahr, Fehlentscheidungen zu treffen und Mitarbeitende zu demotivieren.

Was eine Führungskraft für autoritäre Führung benötigt

Eine autoritär führende Person muss selbst über die nötige Selbstkontrolle und Selbstverantwortung verfügen, um Entscheidungen allein treffen zu können. Ebenso wird ein hohes Maß an Entscheidungsfähigkeit vorausgesetzt. Gleichzeitig muss diese Entscheidung mit genügend Voraussicht getroffen werden, damit sie nicht zu einem negativen Effekt führt. Denn bei einer autoritären Führung ist nicht geplant, dass Mitarbeitende Bedenken äußern oder Widerstand leisten. 

Was von Mitarbeitenden bei einem autoritären Führungsstil verlangt wird

Ein autoritärer Führungsstil setzt voraus, dass autoritär geführte Mitarbeitende die Führungskraft als alleinige Entscheidungsinstanz anerkennen und sich freiwillig unterordnen. Gleichzeitig müssen Mitarbeitende die Bereitschaft mitbringen, alle Aufgaben auszuführen, die angeordnet werden. Entsprechend machen sie keine Mitsprache oder Kontrollrechte geltend.

Warum ein rein autoritärer Führungsstil Unternehmen nicht weiterbringt

Ein autoritärer Führungsstil erhöht den Druck auf die Führungskraft. Sie muss jederzeit allein entscheiden und wissen, was das Beste für das Unternehmen, für die Abteilung oder für das Projekt ist. Diese Form der Führung war lange Zeit prägend in Unternehmen. 

Doch was schon immer gegen einen hierarchischen Führungsstil gesprochen hat:

Eine einzelne Person kann nie alles wissen. Deshalb war die Gefahr von Fehlentscheidungen bei autoritärer Führung schon immer sehr hoch.

Auch wenn Entscheidungsprozesse durch Mitbestimmung und Austausch mit anderen länger dauern, helfen Feedback und andere Standpunkte dabei, die richtigen Entscheidungen mit Weitsicht zu treffen. Gerade bei immer komplexeren Herausforderungen in der modernen Arbeitswelt wird es nicht ausreichen, wenn nur eine Person entscheiden darf.

Autoritäre Führungskräfte fällen zwar Entscheidungen meist schneller, doch können sie nicht überall gleichzeitig sein.

So ist es z.B. für ein kundenorientiertes Unternehmen wichtig, dass Mitarbeitende selbst Entscheidungsgewalt besitzen. Sie müssen dann nicht für jede Entscheidung zuerst bei der Führungskraft nachfragen. Das würde die Geschwindigkeit in Projekten deutlich verlangsamen, was sich wiederum auf die Innovationskraft und die Wirtschaftsleistung von Unternehmen negativ auswirken kann.

Es gibt nur wenige Ausnahmen, in welchen ein autoritärer Führungsstil nach wie vor sinnvoll ist. Das sind das Militär und das Rettungswesen. Hier muss die Rollenverteilung klar geregelt sein und es muss feste Hierarchien geben, um in Ausnahmesituationen handlungsfähig und reaktionsschnell zu bleiben. Führungskräfte in diesen Bereichen müssen deshalb besonders viel Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein einbringen.

Kooperative Führung erfordert ganzheitliche Führungsqualitäten

Es ist in modernen Unternehmen Konsens, dass ein kooperativer Führungsstil einem autoritären vorgezogen werden sollte. Denn vor allem durch New Work Entwicklungen ist ein kooperatives und flexibles Zusammenarbeiten besonders wichtig.

Das setzt voraus, dass Führungskräfte bereit sind, Verantwortung und eben auch Führung abzugeben. Dafür erfordert es neben den klassischen Führungsqualitäten wie Durchsetzungskraft oder Motivationskraft auch Empathie. Denn nur die Führungspersönlichkeit, die ihre Mitarbeitenden und deren Stärken sowie Schwächen gut kennt, kann erfolgreich führen.

Sie wollen mehr zu weiteren Führungsstilen zwischen Führungskraft und Mitarbeitenden erfahren? Dann klicken Sie jetzt in unser Video zum Thema Unterschiede zwischen fachlicher und disziplinarischer Führung

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