Home Office – Von der wenig beachteten Ausnahmeregelung zum festen Bestandteil der Unternehmenskultur

Das Home Office ist in vielen Unternehmen Teil der Corporate Identity geworden und viele Arbeitnehmer möchten die zusätzliche Flexibilität am Arbeitsplatz nicht mehr missen. Wir blicken zurück, analysieren den Einfluss der Corona-Pandemie auf unsere Arbeit und wagen einen Ausblick.

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Das Home Office vor Corona – War da was?

Corona hat die Arbeitswelt stärker beeinflusst als viele es für möglich gehalten hätten. Das gilt vor allem für Arbeitszeitmodelle. Laut einer Datenerhebung von eurostat arbeiteten im Jahr 2017 lediglich fünf Prozent der europäischen Arbeitnehmer:innen zwischen 15 und 64 Jahren regelmäßig im Home Office. Spitzenreiter waren damals die Niederländer mit einer Quote von 13,7 Prozent. In Deutschland lag die Home-Office-Quote vor Corona bei knapp vier Prozent.

Nur ein Jahr später lag die durchschnittliche Quote derjenigen, die häufig im Home Office arbeiten mit 5,2 Prozent laut eurostat nur unwesentlich höher. Mehr als 80 Prozent der Befragten gaben sogar an, nie von Zuhause aus zu arbeiten.

In anderen Worten: Vor Corona arbeiteten durchschnittlich nur fünf von 100 Beschäftigten in den eigenen vier Wänden. 

Eine Studie des ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien hat jedoch gezeigt, dass in Deutschland das vorhandene Potenzial für Remote Work 2018 und 2019 nicht abgerufen wurde. Dafür wurde mit Hilfe wissenschaftlicher Methoden das Home-Office-Potenzial für einzelne Branchen ermittelt. Mit 89 und 85 Prozent sind die Finanz- und Versicherungsleistungen mit dem Sektor Information und Kommunikation an der Spitze. Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, das das Potenzial für Home Office branchenübergreifend bei 56 von 100 Punkten liegt. Davon fallen allein 20 Punkte ungenutztes Home-Office-Potenzial auf Angebots- und 10 Punkte auf ungenutztes Potenzial auf Anfrage-Seite.

Kurz: Das Potenzial für Home Office war schon vor der Corona Pandemie vorhanden. Es wurde lediglich nicht voll ausgeschöpft, auch nicht von den Branchen, die prädestiniert für Remote-Arbeit sind.

Home Office während der Corona-Pandemie: Für viele Unternehmen alternativlos

Die im Zuge der Corona-Krise verhängten Lockdowns und Einschränkungen für Büros haben dazu geführt, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sich einer neuen Arbeitsrealität konfrontiert sahen. Home Office war 2020 keine Option mehr, sondern für viele Beschäftigte schlicht notwendig. 

Laut Daten der sogenannten „Mannheimer Corona Studie“, die von Forschenden der Universität Mannheim initiiert und durchgeführt wurde, waren rund 25 Prozent der Beschäftigten in Deutschland während des Lockdowns 2020 im Home Office tätig. Auch der Branchenverband Bitkom hat diesen Trend damals bestätigt.

Auf den Punkt gebracht: Während der Corona-Pandemie hat sich die Zahl derer, die im Home Office arbeiten, in Deutschland nahezu versechsfacht.

Neben den Lockdown-Regelungen hat vermutlich auch die zwischenzeitliche Homeoffice-Pflicht in Deutschland zu diesen hohen Quoten geführt. Für viele Unternehmen war die Entscheidung für das Home Office eine rein wirtschaftliche. Fraglich ist, wie sich diese Zahlen nach dem Zurücknehmen der strengen Corona-Regelungen weiterentwickeln, zumal laut einer Erhebung des Jobpportals Stepstone auch während der Corona-Pandemie 10 von 100 Beschäftigten immer noch ins Büro gefahren sind, obwohl es die „Option Home Office“ gegeben hat. 

Quo vadis Home Office?

Es ist allgemein Konsens, dass die Corona-Pandemie Tendenzen zum flexiblen Arbeiten beschleunigt hat. Eine Erhebung der Hans Böckler Stiftung bestätigt, dass auch Angestellte damit rechnen, dass Home Office auch nach der Pandemie eine wichtige Rolle in der Arbeitswelt spielen wird. Über 70 Prozent antworteten mit Ja auf die entsprechende Frage. In der großen Studie „Reinventing Work“, die gemeinsam von Slack und Statista durchgeführt wurde, zeigten fast 70 Prozent der Beschäftigten im Büro die Bereitschaft auch in Zukunft remote oder in hybrid arbeiten wollen. Diese Zahlen machen deutlich, dass auf Seiten der Arbeitnehmer:innen eine positive Grundeinstellung gegenüber Home Office vorhanden ist. 

Wie auch vor der Corona-Krise wird es auch in Zukunft nicht in jeder Branche dasselbe Home-Office-Potenzial geben.

Doch wenn sich heute Unternehmen für hybride Arbeitsmodelle entscheiden, gilt es, diese Möglichkeiten auch innerhalb der eigenen Firmenkultur zu verankern.

Hierzu gehört es auch, Home Office oder hybrider Arbeit einen verbindlichen Rahmen zu geben, z.B. in klaren vertraglichen Regelungen im Arbeitsvertrag. Gleichzeitig sollten Unternehmen darauf achten, dass es kein „Wir im Home Office“ und „Ihr im Büro“ gibt. Das wird viele Firmen vor neue Herausforderungen stellen. Doch mittlerweile haben viele Unternehmen ebenso wie Beschäftigte wichtige Erfahrungen in Remote-Work gesammelt, um daraus Best Practices abzuleiten und das volle Potenzial flexibler Arbeitszeitmodelle auszuschöpfen.

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