Selbstmanagement & Resilienz als Personalberater: Coaching-Tipps von Miriam Nagler

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Selbstmanagement und Resilienz – zwei Themen, die im Job als Personalberater eine große Rolle spielen. Denn nur mit einer organisierten Arbeitsweise und einer resilienten Einstellung, hat man das nötige Mind-Set zum Erfolg. Holistic Coach Miriam Nagler hat sich vor fünf Jahren mit ihrem Unternehmen „BEST YOU“ selbstständig gemacht. Im Interview erzählt sie uns wie man seine Resilienz stärken und trainieren kann und welche Rituale sie für ein optimales Selbstmanagement empfiehlt.

1. Liebe Miriam, vielen Dank, dass du dir Zeit für ein Interview nimmst. Bitte stelle dich und dein Unternehmen „BEST YOU“ kurz vor.

Vielen Dank für eure Einladung zum Interview und dass ich mich mit dir darüber unterhalten darf, was die „beste Version“ seiner selbst ausmacht. Ich bin ursprünglich studierte BWLerin und habe bis vor fünf Jahren bei BMW gearbeitet. Während dieser Zeit sind für mich zwei Pole immer mehr zusammengewachsen – nämlich einerseits die Digitalisierung und das zunehmende Streben nach Erfolg und andererseits die Selbstreflexion, Meditation und das Körperbewusstsein. Durch meine Yogaausbildungen damals wurde mir immer bewusster, dass ein System – egal ob dein Körper, eine Familie oder ein Team nur funktionieren kann, wenn es in Balance ist. Seitdem ich mich selbstständig gemacht habe, ist meine Vision, Menschen und Teams dabei zu begleiten, das BESTE aus sich zu machen. Mittlerweile bin ich Holistic Coach und habe eine Mitarbeiterin. Wir zielen in unseren 1:1 Coaching-Sessions auf die Schwerpunkte Persönlichkeitsentwicklung, Ernährung und Bewegung ab. Es geht vor allem um die Frage: „Was steckt hinter einer herausfordernden beruflichen oder privaten Situation und wie kann ich diese in der Tiefe und nachhaltig lösen?“. Bei der Teamentwicklung finden wir mithilfe unserer „BEST WE“-Teamanalyse erst einmal heraus, wo das Team aktuell steht und definieren darauf aufbauend die richtigen Stellhebel. Was „BEST YOU“ letzten Endes immer bewirkt, ist tiefe Transformation.

2. Als Coach berätst du deine Kunden unter anderem zu den Themen Resilienz und Selbstmanagement. Was genau versteht man darunter?

Resilienz ist für mich ein Synonym für „in Balance sein“ bzw. zu wissen, wie ich in den Zustand der Balance komme. Per Definition ist Resilienz „seelische Widerstandskraft in Krisenzeiten“. Was bedeutet das aber nun für unseren Alltag? Hier gibt es zwei unterschiedliche Stressquellen: Stress von außen – Umfeld, Umstände, andere Personen etc. und Stress von innen – eigene Muster, Selbstzweifel, schlechte Gewohnheiten und Ähnliches. In den unterschiedlichen Situationen bedarf es Techniken der persönlichen Stressbewältigung: Wie bringe ich mich schnell wieder zurück in den Zustand der Ausgeglichenheit, sodass ich nicht aus einem Kampf-Flucht-Reflex heraus reagiere, sondern mit klarem Kopf sinnvolle Entscheidungen treffen kann?

Resilienz kann aber auch auf große Herausforderungen im Leben bezogen sein. Wie gehe ich mit der aktuellen Corona-Pandemie oder Schicksalsschlägen um? Welche Schlüsse ziehe ich daraus, sodass ich nicht irgendwann durch Verdrängen in einem Burnout oder einer Depression lande. Hier bedarf es dem ganzheitlichen Blick dahinter – oftmals reicht ein „Symptome behandeln“ dann nicht mehr aus.

Das Wort Selbstmanagement ist natürlich ein sehr weiter Begriff. Das kann alles von gesunden Essensritualen bis zur regelmäßigen Prüfung meiner Businessreports sein. Zusammengefasst würde ich hier sagen geht es darum, einen Alltag zu etablieren, der das Energiekonto in Balance hält bzw. Rituale, die mir bewusst Energie spenden, zu integrieren.

3. Ist Resilienz angeboren oder kann man diese aktiv trainieren und erlernen?

Resilienz kann man tatsächlich stärken und trainieren. Das ist allerdings ein Weg, bei dem es nicht nur darum geht, an der Oberfläche zu kratzen. Nach und nach wird man merken, dass oberflächliche Selbstoptimierungstipps, wie beispielsweise Zeitmanagement, To Do-Listen, Sport etc. nicht mehr ausreichen. Diese zielen nämlich nur auf die Verstandsebene ab. Wir müssen wirklich in den Spiegel sehen und tiefe Selbstreflexion betreiben. Was raubt uns denn wirklich unsere Energie? Sind es unterbewusste Muster und Verhaltensweisen. Was triggert uns in herausfordernden Situationen mehr? Tiefe Wunden aus der Vergangenheit oder ist es wirklich einfach nur die aktuell auftretende Herausforderung? Wer sich hier auf die Reise begeben möchte, darf begleitet oder unbegleitet aktive Selbstreflexion betreiben. Und nach und nach merkt man, wie die Gelassenheit zunimmt und wie klar wir plötzlich in Krisenzeiten agieren können. Resilienz ist für mich das Ergebnis, das entsteht, wenn man sich intensiv mit seinem Verstand (Geist), seinen Emotionen (Seele) und seinem Körper (Zellen) beschäftigt.

4. Die Corona-Pandemie bringt einige Veränderungen mit sich, sowohl beruflich als auch privat: Was wäre hierbei ein resilientes Vorgehen?

Ich vergleiche die Corona-Pandemie gerne mit der VUCA-Welt, von der man im Businessumfeld gerne spricht. Mit einem kleinen Unterschied: Es geht mittlerweile nicht mehr nur um die Businesswelt, sondern auch in unserem Privatleben und in unserer gesundheitlichen und freiheitlichen Existenz als Mensch halten plötzlich Unplanbarkeit, Komplexität und Unsicherheit Einzug. In dieser Zeit resilient zu handeln bedeutet für mich, drei Dinge: Erstens – die Situation annehmen, wie sie ist und zu erkennen, dass man eigentlich nichts daran ändern kann. Die Wut darüber kostet nur unnötig Energie. Zweitens – sich über den Status Quo klar werden. Was sind meine Rahmenbedingungen? Sei es finanziell, familiär, mit Freunden oder Hobbies. Drittens – Chancen erkennen und dabei in den Zustand der Zuversicht zu gelangen: Wofür ist diese Situation gut? Was hat sie mich sich gebracht? Was hätte ich sonst nie gemacht?

5. Unsere Recruitment Consultants beraten unterschiedliche Kunden, führen täglich zahlreiche Gespräche und müssen sich dementsprechend gut organisieren. Was würdest du ihnen raten, damit Sie den Überblick bewahren und die richtige Balance finden?

Ich bin ein Freund von guten Gewohnheiten oder Ritualen. Dabei aber bitte nicht zu viele, sonst fühlt man sich im Endeffekt von den eigenen Ritualen gestresst. Was mir und meiner Mitarbeiterin tatsächlich sehr hilft, Struktur und Fokus in unseren Tag zu bringen, ist die bewusste Meditationspause am Vormittag. Diese hat mehrere Effekte:

  1. Wir teilen den Vormittag in zwei größere Blöcke und können uns genauer überlegen, was wir in dieser Zeit bis zur Pause noch schaffen.
  2. Wir können uns auf die bewusste Pause freuen.
  3. Der Effekt der Gedankenhygiene: Wenn man Ruhe in ein System bringt, ordnet es sich.

Wie jeder seine eigene Balance findet, ist eine sehr individuelle Frage. Der eine liebt drei Tagesziele auf dem Zettel, der nächste akribische Outlookterminplanung und Wiedervorlagen – wieder andere arbeiten über Asana und Stand-up-Meetings.

Was Effizienz vor allem ausmacht ist das Motto: „In der Ruhe liegt die Kraft“ und dafür muss man sich bewusst kurze Pausen einbauen. Merke dir einfach den Satz: „Energie entsteht immer im Raum dazwischen.“

6. Welche Tipps hast du für ein erfolgreiches Selbst- und Zeitmanagement?

Hierfür sind meiner Meinung nach drei Punkte wichtig: Tipp Nummer 1: Bauen Sie sich bewusst Pausen – auch Gedankenpausen ein. Das klingt banal, aber es ist wichtig, um den Fokus zu behalten und damit sich die Gedanken im Kopf ordnen können. Tipp Nummer 2: Finden Sie maximal drei Rituale, die Sie wirklich nachhaltig „durchziehen“. Es kommt nicht darauf an, wie viel unterschiedliches man ausprobiert oder welche Methoden man kennt, sondern darauf, was Sie konsistent umsetzen und immer wieder tun. Tipp Nummer 3: Trainieren Sie sich an, sich abends vor dem Schlafen zwei Fragen zu stellen. „Was hat heute gut geklappt?“ und „Was habe ich heute für mich getan?“ So entwickeln Sie nach und nach ein Gefühl für Ihr persönliches Energiekonto und wie Sie dieses in Balance halten.

7. Wie schafft man es, sich immer wieder selbst zu motivieren, um seine Ziele zu erreichen?

Ich weiß – manchmal ist das gar nicht so leicht. Was bei dieser Frage extrem wichtig ist – und da glaube ich sind die Mitarbeiter von SThree sehr gut darin – ist seine persönlichen Stärken, Potenziale und Energieräuber zu kennen. Denn wenn ich diese kenne, können die Aufgaben im Team stärkenbasiert verteilt werden. Zweiter ganz wichtiger Punkt: Ziele können nur dann erreicht werden, wenn ich weiß, warum ich es tue. Genau dieses „Warum?“ mit meinen Klienten im 1:1 Coaching herauszufinden – das ist meine Leidenschaft.

Vielen Dank für das nette Interview, Miriam!

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