Persönlichkeitsentwicklung und deren Einfluss auf die Karriere

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Unsere Persönlichkeit entwickelt sich ein Leben lang

Ab dem Moment, in welchem wir auf die Welt kommen, beginnt unsere Persönlichkeitsentwicklung. Denn jeder Mensch bringt nicht nur eine genetische Disposition mit, sondern wird im Laufe seines Lebens auch sozial und kulturell geprägt. Mit jeder neuen persönlichen Erfahrung wächst unsere Lebenserfahrung und unsere Persönlichkeitsentwicklung wird beeinflusst. Das Leben, das private wie auch das berufliche machen uns schließlich zu den Menschen, die wir sind. 

Doch tatsächlich handelt es sich bei der Persönlichkeitsentwicklung nicht um rein „äußere Umstände“, die uns formen und prägen. Wir haben neben der uns innewohnenden Persönlichkeit auch die Möglichkeit, unsere Persönlichkeitsmerkmale bewusst weiterzuentwickeln. Im Alltag wird (meist jedoch auch im negativen Kontext) davon gesprochen, dass Menschen „an sich arbeiten“. Tatsächlich ist die bewusste Persönlichkeitsentwicklung mit Arbeit verbunden. Doch die Arbeit an sich selbst sollte vor allem dazu dienen, sich selbst besser kennenzulernen, um daraus Schlüsse für die eigenen Ziele zu ziehen.

Was braucht es für die Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit?

Die Persönlichkeitsentwicklung basiert im Grunde auf einer Trias: Der Selbsterkenntnis, der Selbstakzeptanz und der Selbstveränderung.

In anderen Worten: Nur wenn ich ehrlich meine Stärken und Schwächen anerkenne und diese akzeptieren lerne, kann ich mich selbst im Anschluss auch wirklich verändern. Wer seine eigenen Fähigkeiten oder Charakterzüge immer nur in den besten Farben ausmalt, wird sich ebenso wenig erfolgreich persönlich weiterentwickeln wie andere, deren negatives Selbstbild alle mögliche Veränderung im Keim erstickt. 

Persönlichkeitsentwicklung hat demnach die Chance, durch Selbsterkenntnis und -akzeptanz zu wachsen. Denn es gibt niemanden, der ausschließlich Schwächen hat. Ebenso unrealistisch sind diejenigen, die nur Stärken mitbringen. 

Die Big Five in der Persönlichkeitsentwicklung

In den 1930er-Jahren wurde in der Persönlichkeitspsychologie von US-Wissenschaftlern das sogenannte „Fünf-Faktoren-Modell“ entwickelt. Die diesem Modell zugrundeliegenden Faktoren werden auch als die „Big Five“ bezeichnet. 

Das Modell geht davon aus, dass jede Persönlichkeit sich auf fünf Haupteigenschaften reduzieren lässt. Bei jedem Menschen sind diese Merkmale unterschiedlich stark ausgeprägt. Aus den unterschiedlichen Ausprägungen heraus lässt sich wiederum die individuelle Persönlichkeit ableiten. 

Die Big Five der Persönlichkeitsentwicklung sind:

  • Openness
  • Conscientiousness
  • Extraversion
  • Agreeableness
  • Neuroticism

Auf der Basis der englischsprachigen Bezeichnungen wird das Modell auch „OCEAN-Modell“ genannt. 

Wichtig am 5-Faktoren-Modell ist, dass keines der Merkmale „nicht vorhanden“ sein kann. Persönlichkeitsforscher gehen davon aus, dass bei jedem Menschen zumindest ein kleiner Teil von jedem Element vorhanden ist. 

Ein Beispiel: Jeder Mensch ist zu einem kleinen Teil auch extrovertiert. Weist die Skala einen geringen Ausschlag auf, würde man dann eher von introvertiert sprechen. 

Wie kann nun das Fünf-Faktoren-Modell bei der Persönlichkeitsentwicklung weiterhelfen? Ganz einfach: Anhand der fünf Merkmale haben wir die Möglichkeit, uns im Rahmen der Selbstreflexion bzw. Selbsterkenntnis realistisch einzuschätzen.

In einem weiteren Schritt können wir überlegen, ob wir daran etwas ändern wollen oder nicht, was schließlich als Basis für das Handeln dienen kann.

Bedeutung der Big Five für die persönliche Weiterentwicklung im Beruf

  • Offenheit (Openness): Wer ein großes Maß an Offenheit mitbringt, wird vor allem Change Prozessen gegenüber optimistischer gestimmt sein und ist eher geneigt, Änderungen anzugehen. Stellen Sie fest, dass Ihre „Offenheitsskala“ nur schwach ausgeprägt ist, könnten Sie überlegen, ob Sie in Ihrer aktuellen Situation oder für künftige Jobs eventuell daran arbeiten sollten. Wer generell offen ist, sollte jedoch auch darauf achten, in Situationen nicht zu schnell ungeduldig zu werden.
  • Gewissenhaftigkeit (Conscientousness): Wer gewissenhaft arbeitet, kann Teams durch seine Zuverlässigkeit und sein überlegtes Handeln gut leiten und ist als Teamplayer gut geeignet. Für Arbeitnehmer/innen ist „Gewissenhaftigkeit“ ein wichtiger Aspekt bei der Einstellung. Wer zu viel gewissenhaftem Arbeiten neigt, sollte jedoch auch darauf achten nicht zu „perfektionistisch“ zu werden, was Projekte im schlimmsten Fall bremsen kann. Ebenso kann eine zu hohe Conscientousness zu einem höheren Stresslevel führen. Als Ausgleich sollten dann Maßnahmen im Stressmanagement ergriffen werden.
  • Extraversion: Extrovertiert zu sein, bedeutet ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit und ist vor allem fürs Netzwerken oder für selbstbewusste Präsentationen von Vorteil. Wer viel Extroversion mitbringt, kann diese Eigenschaft auch in Vorstellungsgesprächen einbringen. Extrovertierte Menschen benötigen „Empfänger“ für ihre Nachrichten. Wer eher inrovertiert ist, ist an einem ruhigeren Arbeitsplatz vermutlich besser aufgehoben.
  • Verträglichkeit (Agreeableness): Wer hier viel zu bieten hat, gilt meist als „die gute Seele“ eines Teams, bringt viel Empathie und Verständnis für alle Teammitglieder mit. Ein hoher Ausschlag auf der Skala kann diese Mitarbeitenden zu perfekten Teamplayern machen, auch in wechselnden Teams und mit wechselnden Persönlichkeiten. Ein mögliches Manko kann eine zu geringe Durchsetzungsfähigkeit sein. 
  • Neurotizismus (Neuroticism): Wer den Begriff „Neurotiker“ im Sinne der Woody Allen Filme betrachtet, kann schnell eine negative Konnotation haben. Doch tatsächlich sind diese Persönlichkeit sehr sensibel und können Stimmungen gut wahrnehmen, was sie wiederum sehr empathisch machen kann. Wer hier viel mitbringt, kann sehr viel zu einem positiven Betriebsklima beitragen. Allerdings sollten Menschen mit einem hohen Ausschlag im Bereich Neuroticism darauf achten, im Berufsalltag nicht emotional überfordert zu werden.

Wie beeinflusst Persönlichkeitsentwicklung die Karriere?

Die eigene Persönlichkeitsentwicklung hat viel mit Selbstreflexion und ehrlicher Selbsteinschätzung zu tun. Wer seine eigenen Stärken und mögliche Schwächen kennt, kann zum einen daran arbeiten. Zum anderen kann die Persönlichkeitsentwicklung dabei helfen, in beruflichen Situationen überlegter und souveräner zu handeln. So vermeiden z.B. künftige Führungskräfte Konflikte, die durch Missverständnisse entstehen. Ebenso haben Bewerberinnen und Bewerber die Möglichkeit, in der Folge einer bewusst angestoßenen Persönlichkeitsentwicklung selbstbewusster in Vorstellungsgespräche zu gehen. Personalverantwortliche oder auch Personalvermittler erhalten so ein besseres Bild von ihrem Gegenüber und können besser einschätzen, ob ein Job passt oder nicht. 

Wenn man es so möchte, ist die Persönlichkeitsentwicklung eine wichtige Grundlage, um nicht nur langfristig beruflich erfolgreich zu sein, sondern vor allem, um zufrieden und erfüllt dem beruflich nachgehen zu können, was am besten zur eigenen Persönlichkeit passt. 

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